Ein zentraler Begriff für mein Denken und Handeln als Schulleiterin ist verankert in dem Leitgedanken für eine pädagogische Schule, dem ich bereits auf meiner Einladungskarte Ausdruck verliehen habe. Er ist von Hartmut von Hentig und lautet:„die Menschen stärken, die Sachen klären.
Eine pädagogische Schule erweist sich durch ganzheitliches Lernen, Belehren durch Erfahrung ersetzen, den Kindern und Jugendlichen Zutrauen geben, damit sie die Welt verstehen lernen, ein Stück weit verändern werden und zu verantworten wissen. Hartmut von Hentigs „Ideale Schule“, er nennt sie unter Bezug auf die antike Demokratie POLIS, ist eine Gemeinschaft von Verantwortlichen, die über die Gestaltung ihrer eigenen Lebensumwelt Regeln und Kenntnisse für das Leben in der komplexen Industriegesellschaft erarbeitet.
Ich würde dies gerne mit dem Begriff „Menschlichkeit“ überschreiben und komme damit zu meinem ersten Aspekt, der für mich von grundlegender Bedeutung ist;
denn in einer Schule, in der die Menschen im Mittelpunkt stehen, fühle ich mich wohl.
In einer Gruppe von Menschen, die sich als Partner verstehen, nicht als Konkurrenten, wo Fehler und Schwächen eingestanden werden können, ohne Nachteile zu befürchten, mit Menschen, die sich mit Achtung und Respekt begegnen, lebe ich gern.
In einer Schule, in der Eigenverantwortlichkeit ernst genommen wird, indem wir fragen, „Wie kann ich helfen? – nicht: “Dafür bin ich nicht zuständig!“ arbeite ich gerne.
In einer Schule, die die uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen in ihrer Ganzheitlichkeit, in ihrer Einzigartigkeit wahrnehmen und fördern lässt, in der über Fragen nach dem Woher, Wohin und Wozu des Menschen nachgedacht wird, wo sich eingesetzt wird für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung, fühle ich mich am richtigen Platz.
Ein zweites zentrales Anliegen heißt für mich: Der Kreativität Raum geben!
Dem Einen oder Anderen verrate ich kein Geheimnis, dass in meinem Leben der kreative Umgang mit Form und Farbe einen besonderen Stellenwert hat und es ist mir ein Anliegen dies auch für die Arbeit in dieser Schule fruchtbar werden zu lassen.
Die Förderung der Kreativität, insbesondere in einer Schule mit dem Förderschwerpunkt Ganzheitliche Entwicklung, angesichts eines Kontextes in der Gesellschaft, der kopflastig ist, muss als „Lebenshilfe“ verstanden werden, denn Kreativität gestattet zweierlei: Lebensqualität (Freude) und die Chance zur Selbstverwirklichung (Sinnfindung) -> individuelle Perspektive
Ein Weiteres: Wenn wir uns der Bedeutung einer ganzheitlichen Erziehung bewusst werden, die Kreativitätsförderung als unverzichtbar begreift und sie wirklich ernst nehmen, müssen wir auch die Ausgestaltung der Räume unserer Schule in den Blick nehmen. Die Ästhetik des Raumes korrespondiert eng mit den Emotionen seiner Bewohner. Und wer wollte in Frage stellen, dass wir alle, vor allem jedoch die uns anvertrauten Kinder, uns in dieser Schule wohl fühlen.
Kreativität zu fördern heißt aber auch die Entwicklung von Spontaneität, Einfallsreichtum, Fantasie, künstlerische Begabung u. a. m. gezielt zu unterstützen.
Diese Fähigkeiten sind gerade heute in besonderem Maße gefordert - dies gilt nicht nur für Schülerinnen und Schüler, sondern in mancher Hinsicht auch für Lehrerinnen und Lehrer.
Immer wieder hört man die vielfach auch berechtigten Rufe nach besseren Ausstattungen von Schulen, mehr personellen und sächlichen Ressourcen. Wir wissen aber auch, dass wir gegenwärtig in einer Zeit leben, in der die Endlichkeit vorhandener Ressourcen, manchmal auch unumgänglich, schmerzhaft erfahrbar wird.. Dabei liefern kreative Lösungen nicht selten den einzigen Hoffnungsschimmer. Hier sind wir ALLE gefordert.
Ich komme zu meinem dritten Aspekt. Eine Schule, die ihre Zielsetzungen ernst nimmt, die ihr aufgetragenen und die selbst gesetzten, damit aber die Verwirklichung von Menschlichkeit und Förderung der Kreativität, insofern insbesondere eine Schule wie die unsere, muss sich verstärkt der Frage nach der Wirksamkeit ihrer Arbeit stellen. Sie muss konkret Rechenschaft über geleistete Arbeit ablegen und sich immer wieder, auch im Detail vergewissern, ob unser Engagement für die Kinder und Jugendliche tatsächlich zu dem gewünschten Erfolg führt. Kein pädagogisches Handeln ohne die Vergewisserung über dessen Erfolg! Nur so können wir beurteilen, ob wir mit unserer so oft mit großem Engagement geleisteten Arbeit den richtigen Kurs eingeschlagen haben!
Nichts anderes meint das vielfach gefürchtete Wort EVALUATION.
Eine so verstandene sinnvolle Evaluation muss ihren Eingang in den schulischen Alltag finden und zur schulischen Normalität werden.
Anlässlich einer Tagung der Gemeinschaft Evangelischer Erzieher im Jahr 2003 Entstand der Slogan „Qualität hat einen Namen: Menschlichkeit!“
Evaluation und Menschlichkeit, Evaluation und die Förderung von Kreativität sind eben gerade und per se keine Gegensätze, sondern als komplementäre Elemente zu begreifen. Evaluation kann - verantwortungsbewusst und sinnvoll angewendet - erkennbar machen, ob und in wie weit es uns gelingt, die unerlässliche Menschlichkeit in unseren Schulen zu leben.
Ich komme zum Schluss:
Begreifen Sie diese meine Vorstellung durch die Darlegung von drei zentralen Dreh- und Angelpunkten meines Denkens, Fühlens und Handelns als Bitte und Zielsetzung zugleich!
Sie richtet sich nicht nur an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Schule, sondern ebenso an ALLE anderen Menschen, die in irgendeiner Weise mit unserer Schule zu tun haben.
Auf dem Weg zu einer solchermaßen beschriebenen Schule bin ich auf Ihre Mithilfe angewiesen. Ich freue mich auf die intensive Zusammenarbeit mit Ihnen.